Geschlossene Gesellschaft

Über das Stück

Die geschlos­se­ne Gesell­schaft: drei Tote, unent­rinn­bar für immer zusam­men­ge­sperrt im Nir­gend­wo der Höl­le. Ohne Hun­ger, ohne Pri­vat­sphä­re, ohne Schlaf, dort wo das Licht ewig brennt.

Gar­cin der Jour­na­list, Ines die Post­an­ge­stell­te und Estel­le die eit­le Gat­tin – sie alle haben ihre Geschich­te, ihr dunk­les Geheim­nis, das sie in die Ver­damm­nis führ­te.

Ihre Höl­le bedarf kei­ner Zan­gen und Spie­ße, kei­ner glü­hen­den Koh­len, sie sind ein­an­der Höl­le genug. Auf Gedeih und Ver­derb ein­an­der aus­ge­lie­fert beginnt der Höl­len­tanz: der Selbst­be­trug, die Spie­le und Flucht­ver­su­che. Jeder dür­stet nach der Hil­fe eines der bei­den ande­ren, aber in der Annä­he­rung muß er unwei­ger­lich den Drit­ten ver­let­zen. Sie kön­nen nicht von­ein­an­der las­sen, noch vor­ein­an­der flie­hen, nicht ein­mal töten kön­nen sie sich…….. denn sie sind bereits tot.

Und so gilt auf ewig: “Die Höl­le, das sind die ande­ren”

Über Jean-Paul Sartre

Jean-Paul Sart­re, fran­zö­si­scher Schrift­stel­ler und Phi­lo­soph, wur­de am 21.Juni 1905 als Sohn eines Mari­ne­of­fi­ziers in Paris gebo­ren. Nach einem Stu­di­um der Psy­cho­lo­gie, Phi­lo­so­phie und Sozio­lo­gie wur­de ihm 1929 die Lehr­erlaub­nis erteilt – im glei­chen Jahr begann auch sei­ne lebens­lan­ge (Liebes)Beziehung zu Simo­ne de Beau­voir. Bereits neben sei­nem Beruf als Leh­rer ver­öf­fent­lich­te Sart­re Bücher und Zei­tungs­ar­ti­kel, bevor er 1945 Her­aus­ge­ber der poli­tisch-lite­ra­ri­schen Zeit­schrift Les Temps Moder­nes wur­de und bis zu sei­nem Tod am 15. April 1980 als frei­er Schrift­stel­ler in Paris leb­te.
Sar­tres Ide­al war das eines poli­tisch und sozi­al enga­gier­ten Schrift­stel­lers. So war er im 2. Welt­krieg akti­ves Mit­glied der fran­zö­si­schen Rési­stan­ce und sym­pa­thi­sier­te bis zur Nie­der­schla­gung des unga­ri­schen Auf­stands mit den Kom­mu­ni­sten. Er ver­fass­te eine Viel­zahl Roma­ne, Erzäh­lun­gen, Film­dreh­bü­cher und Dra­men, unter ande­ren Der Ekel (1938), Die Flie­gen (1943) und Geschlos­se­ne Gesell­schaft (1944).
Sein erfolg­reich­stes Thea­ter­stück Die schmut­zi­gen Hän­de (1948) wur­de vom Vati­kan mit der Begrün­dung, dass den “den Gläu­bi­gen gefähr­li­che Zwei­fel erspart wer­den müß­ten” wegen sei­ner mora­lisch-poli­ti­schen Bot­schaft indi­ziert. Den ihm 1965 ver­lie­he­nen Lite­ra­tur­no­bel­preis lehn­te Sart­re aus “per­sön­li­chen und objek­ti­ven” Grün­den ab.

Auch als Phi­lo­soph wur­de Sart­re durch sei­ne Vor­rei­ter­rol­le in Bezug auf den Exi­sten­tia­lis­mus­ge­dan­kens welt­be­kannt. Ein­fluss auf sein Den­ken nah­men in erster Linie die zeit­ge­nös­si­sche Phi­lo­so­phie Husserls und Hei­deg­gers, die Psy­cho­ana­ly­se und der Struk­tu­ra­lis­mus. Sei­ne phi­lo­so­phi­schen Haupt­wer­ke Das Sein und das Nichts (1943) und Kri­tik der dia­lek­ti­schen Ver­nunft (1960) behan­deln vor allem das Ver­hält­nis des Indi­vi­du­ums zur Geschich­te und zur Gesell­schaft.

Sar­tres Men­schen­bild ist das des hand­lungs­fä­hi­gen Sub­jekts, wel­ches sich im Ange­sicht viel­fäl­ti­ger struk­tu­rel­ler Zwän­ge in sozia­ler, poli­ti­scher, kul­tu­rel­ler wie psy­chi­scher Hin­sicht in der Kom­ple­xi­tät sei­nes Daseins behaup­ten muss. Es liegt in unse­rer eige­nen Hand, ob wir uns den vor­ge­fun­de­nen Umstän­de anpas­sen oder bereit sind, sie um unse­rer indi­vi­due­len Frei­heit wil­len zu über­schrei­ten. Wir haben die Wahl zwi­schen einem Leben in Authen­ti­zi­tät oder “Inauthen­ti­zi­tät”.
“Es gibt kei­nen Gott” und “Der Mensch ist nichts als das, was er aus sich macht” sind The­sen, die nicht zuletzt in der “Geschlos­se­nen Gesell­schaft” zum Tra­gen kom­men – so schließt sich der Kreis von Phi­lo­so­phie und Dra­ma.